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Bahntechnikerring Nr. 40 – das ist die neue Adresse der IngenoGroup GmbH & Co. KG. Für die eingeweihten Kirchmöseraner: hier befand sich einst die Berufsschule. Bis an diesem Standort das Arbeitsleben beginnt ist jedoch noch viel zu tun. „Weil die Zeit aber drängt, haben wir uns zu einer Übergangslösung entschieden“, berichtet der 56-jährige Geschäftsführer Manfred Angel. „Wir nutzen die ehemaligen Com-Plus-Räume am Südtor. Von hier aus werden dann alle Aktivitäten unserer Mitarbeiter in Brandenburg steuern.“

 

Die umfangreichen Vorhaben der aus drei Geschäftsbereichen bestehenden Firma lassen einfach keinen Zeitaufschub zu. Denn bei den insgesamt 105 Mitarbeitern geht es immer um Tempo. Zwei Beispiele aus der umfangreichen Liste abgeschlossener Vorhaben machen das deutlich: Planung, Bauüberwachung, Steuerung, Inbetriebnahmekonzepte usw. für den Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Leipzig–Dresden für Tempo 200; Planung von 700 Bauzuständen zur Erhöhung der Geschwindigkeit von 160 auf 230 km/h für die 283 km lange Strecke Hamburg–Berlin inklusive Bauüberwachung und Projektmanagement.


„Wie es manchmal so ist im Leben: 1994 haben wir – meine Geschäftspartner Jens Flachsbarth, Klaus Thormählen und ich – die Firma gegründet. Und meinen ersten Kontakt mit Kirchmöser hatte ich gleich mit der ersten Aufgabe. Unserem Planungs- und Steuerungsbüro wurde der Ausbau der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg mit dem Bahnhof Kirchmöser übertragen. Im Ergebnis wird die Strecke von einer elektronischen Stellwerksanlage in Magdeburg gesteuert. Von daher wusste ich um die Bedeutung Kirchmösers als Bahnstandort. Über die politischen Verbindungen zum Wirtschaftsministerium in Potsdam und zu Minister Junghanns entstand die Idee, hierher zu kommen und Synergieeffekte zu den bahnnahen Betrieben zu schaffen.“

 



Manfred Angel engagiert sich nicht nur für die Etablierung seiner Firma im Kirchmöseraner Industriegebiet, er möchte auch dem sportlichen Leben in Zukunft neue Impulse geben. Fotos: ger


Der Weg nach Kirchmöser war für Manfred Angel ein langer. Kilometermäßig und auch von der Anzahl der Jahre her. Gebürtig im Saarland, verschlug es den Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik nach Hamburg zur Deutschen Bahn, wo er sich auf Planung und Consulting für elektronische Eisenbahnsignalanlagen spezialisiert hat. Von 1990 bis 1992 war er Berater für die technische Ausrüstung der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid– Sevilla. Danach schließlich verantwortete er für die Planungsgesellschaft Deutsche Einheit die technische Ausrüstung der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. „Das bedeutete konkret, dass ich mich um alle Hauptstrecken in den neuen Bundesländern zu kümmern hatte – von der Hauptstadt in Richtung Hamburg, Dresden, Leipzig, Magdeburg.“

 

Dann kam ein entscheidender Schritt. „Es war für mich schon eine große Herausforderung, seinen Beamtenstatus aufzugeben und sich in die Selbstständigkeit zu wagen. Immerhin entzieht man sich selbst den gesicherten Boden untern den Füßen. Aber es hat einfach Spaß gemacht und macht es immer noch, für den eigenen Betrieb zu arbeiten, zu planen und die Zukunft zu gestalten. Neue, große Aufgaben sind immer eine Herausforderung. Eins muss ich in dem Zusammenhang hier unbedingt loswerden. Es ist ein völlig unsinniges Märchen, dass Mitarbeiter hier im Osten nicht produktiv genug sind. Wir haben in unserer Gruppe zu 98 Prozent Mitarbeiter aus den neuen Bundesländern. Das liegt sicher mit daran, dass man allein in Dresden an der Uni Eisenbahnsignaltechnik studieren kann. Es ist so, dass unsere Mitarbeiter alle sehr am Erfolg unserer Projekte interessiert sind und so lange arbeiten, bis die Arbeit termingerecht gemacht ist. Da spielt die Arbeitszeit eben nur die zweite Rolle. Ich habe das auch anders kennen gelernt … Wir sind eine Firma, die dauerhafte Arbeitsplätze in den neuen Bundesländern schaffte und weiter schafft.“

 

Während die vorübergehenden Firmenräume hier in Kirchmöser nur angemietet sind, hat die Ingeno-Group das Grundstück am Bahntechnikerring erworben. „Wir müssen hier sehr viel instand setzen, bevor es richtig losgehen kann. Ziel ist es, das Gelände mehrfach zu nutzen. So wird neben uns als Eisenbahntechnikern auch eine Betriebsstätte der Klaus Thormählen GmbH mit dem Schwerpunkt Schweißtechnik aufgebaut. Und kurz vor der Genehmigung steht der Bau einer Bio-Heizkraftanlage für die Monovergärung von Roggen. Wir wollen damit Strom erzeugen, zugleich aber auch forschen, um den Einsatz regenerativer Stoffe weiter zu optimieren.“

 

Kirchmöser ist nicht nur für den Geschäftsmann Angel von Interesse. „Ich wohne mit meiner Lebensgefährtin in Klein Machnow, einer wirklich schönen Wohngegend, aber wir wollen uns auf jeden Fall hier im Ort nach einem Grundstück am Wasser umsehen. Es ist nicht nur, weil ich sehr gerne auf dem Wasser bin, hier könnte ich auch in den Sommermonaten wohnen und hätte es nicht weit zur Arbeitsstätte.“

 

Neben beruflichen Erfolgen hat Manfred Angel für die Zukunft Kirchmösers auch ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte mich bei der Entwicklung des Ortes engagieren. Ein Beispiel ist der Sport. Das Umfeld für zu gewinnende neue, qualifizierte Mitarbeiter muss auch in der Hinsicht stimmen. Wenn schon kulturell nicht übermäßig viel los ist, so muss man anderes bieten. Ich stelle mir den Ausbau der Sportstätten vor, ob Fußball- oder Tennisplatz oder auch der Segelsport. Und wir brauchen hier Übernachtungsmöglichkeiten. Ja, und dann schwebt mir die Errichtung eines Golfplatzes vor. Darüber will ich mal mit der Oberbürgermeisterin reden. Und wenn auch die anderen neuen Firmen hier im Industriegebiet mitmachen, dann wäre das schon eine tolle Sache.“

 

 

 
ingeno group | 06.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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