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Die zumeist orangefarbenen kleineren oder riesigen Stahlcontainer stehen vor Werk- oder Messehallen, auf Baustellen und sogar mitten im Kaspischen Meer auf einer Bohrplattform. Sie beherbergen kein Baumaterial, sind keine Sanitäranlagen- oder Aufenthaltsmöglichkeiten für die Beschäftigten oder Besucher und dennoch von enormer Bedeutung. Ohne sie wäre an vielen Orten und insbesondere in dieser Jahreszeit das Leben und Arbeiten unmöglich. Mit einfachen Worten ausgedrückt handelt es sich beim Inhalt der Container um ein transportables Warmluftheizsystem, das immer und überall einsetzbar ist.


Nur ein kleines Schild an einer Tür im Gebäude des ehemaligen Instandhaltungsbereiches der Gleisbaumechanik Unter den Platanen zeigt, dass sich das Heylo-Service-Center hier ansiedelt. Jede Menge Lastkraftwagen standen in den vergangenen Wochen vor den Türen und Toren, es wurden Kisten, Kästen, Geräte, Werkzeuge ausgeladen und in die Gebäude gebracht. Michael Apelt hatte alles unter Kontrolle. Er ist Technischer Leiter und Leiter Export Osteuropa der Heylo Energietechnik GmbH, die ihren Stammsitz bei Bremen hat und seit einigen Jahren in Ziesar produziert. „Produziert hat, muss man jetzt sagen, denn seit dem 1. Dezember fertigen wir unsere Produkte hier in Kirchmöser. Das erste Gerät ging übrigens nach Spanien. In Ziesar wurde uns die Produktionsfläche einfach zu klein. Hier haben wir vorerst zwei Objekte von der Gleisbaumechanik angemietet, im nächsten Jahr bauen wir uns dazu noch eine eigene Fertigungshalle.“




Unter Leitung des 37-jährigen Michael Apelt werden seit dem 1. Dezember in Kirchmöser Warmluftsysteme für den stationären und mobilen Einsatz produziert. Fotos: WK

Der 37-jährige gebürtige Luckenwalder brachte Kirchmöser lange Zeit immer nur mit einer guten Handballmannschaft in Verbindung. Jetzt, wo er täglich herkommt, ist er nahezu euphorisch, wenn man auf die hier vorhandenen wirtschaftlichen Bedingungen zu sprechen kommt. „Die Verantwortlichen, insbesondere der PEK, sind unglaublich engagiert, helfen, wo sie können. Ja, sie treiben einen förmlich voran. Die Stadt und das Land Brandenburg haben Visionen – was ich nahezu einmalig finde –, sie wissen, wo die komplexe Entwicklung hingehen soll und muss. So bin ich absolut sicher, dass sich auch unsere Firma hier hervorragend weiter entwickeln wird. Kirchmöser wird sozusagen zum Drehkreuz zwischen Ost und West, denn unsere Kunden kommen von Kasachstan im Osten bis Nordamerika im Westen.“


Die Heylo Energietechnik GmbH beschäftigt sich seit über 50 Jahren mit der Entwicklung und Produktion von mobilen Heizsystemen für Hallen und Großbauten. In dieser Zeit hat sich auch das Profil der Firma immer wieder verändert. „Der Wirkungsgrad bei der Beheizung mit Dampf liegt gerade einmal bei rund 40 Prozent und bei Warmwassersystemen bei rund 80 Prozent. Mit unserem Warmluftsystem, dessen Kernstück der von uns selbst gefertigte Wärmetauscher ist, erzielen wir einen Wirkungsgrad von bis zu 96 Prozent. Dazu kommt, dass bei unserem Warmluftsystem niemals etwas einfrieren kann. Ob nun Kasachstan oder Nordamerika – dort herrschen in einigen Gebieten viele Monate lang eisige Temperaturen. Jede Dampf- oder Wasserleitung würde unweigerlich einfrieren.“


Michael Apelt hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Er war Lüftungsmonteur, in einer PGH in Luckenwalde lange Jahre Obermonteur. „Aber unsere Genossenschaft hat nach der Wende den Kampf gegen die Stärkeren verloren. Zum Glück hatte ich neben der Arbeit studiert und den Abschluss als staatlich geprüfter Techniker für Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen erworben. Aber auch das war anfangs sehr schwierig. Als ich mich beispielsweise für einen Studienplatz bei einer Berliner Fachschule beworben habe, bekam ich zur Antwort: ,Sie kommen aus Brandenburg, das geht nicht.‘ Das war zu der Zeit, als es erstmals im Ringen um das politische Zusammengehen der Länder Berlin und Brandenburg eine Ablehnung gab. Die Bremer haben mich dann – zu meinem Glück – gezielt angesprochen. Sie suchten einen kompetenten Partner hier und so habe ich die technische Abteilung übernommen.“ Mit dem Erfolg der Arbeit hier nahmen auch die Aufgaben für den in Kleinmachnow wohnenden Apelt zu. Es ging um das Erarbeiten von Vorlagen für die Banken, um die Entwicklung der Beziehungen zu Kunden in Osteuropa („Sie kennen die doch von früher am besten!“) usw.


Der Umzug der Produktionsstätte von Ziesar nach Kirchmöser war die jüngste Herausforderung für Michael Apelt und die inzwischen 13 Kollegen. Vor dem Umzug waren es nur neun Mitarbeiter. Die Arbeit musste weitergehen. „Im Moment bauen wir unsere Anlage gerade in einen 20-Fuß-Container ein – das heißt, er ist etwa 6 Meter lang, zwei Meter breit und 2 Meter hoch. Solche mit Öl oder auch Gas betriebenen Geräte sind für den Einsatz bei tiefsten Temperaturen, etwa im Kaspischen Meer, vorgesehen. Die Leistung liegt dann bei 700 Kilowatt. Unsere kleinsten Geräte liefern rund 20 KW, genug, um ein Haus zu beheizen. Da wir bislang einer der ganz wenigen Anbieter solcher Geräte in der Welt sind, spielen Qualität und Termintreue und später der Service eine vorrangige Rolle. Mir kommt dabei meine Ausbildung zugute, und wenn in der Produktion oder auch beim Service Not am Mann ist, packe ich auch selbst mit zu.“


Der Freizeitfonds ist mit der Zunahme der Aufgaben für den Ehemann und Familienvater immer knapper geworden. Dennoch lässt er sich sein liebstes Hobby nicht nehmen: das Singen. Zuletzt wurde Bachs Weihnachtsoratorium gesungen. „An jedem Montag treffe ich mich seit vielen Jahren mit bis zu 120 Leuten im Kirchenchor. Dafür lasse ich sogar meinen Chef stehen.“ Und lachend fügt er hinzu: „Und dabei sehe ich dann garantiert auch meine Frau!“


 
Heylo | 06.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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