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 Von Anbeginn dabei: die SPEMA-Geschäftsführer Hanjo Sawitzki (l.) und Georg Wolter. Fotos: ger
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SPEMA – das kann man symbolisch gleichsetzen mit dem Eingangsbereich für das Industriegebiet Nord in Kirchmöser. Denn kommt man aus Plaue über die Brücke in die Straße Unter den Platanen, dann ist das erste Betriebsgebäude das der Spezialmaschinenbau und Ausbildungs GmbH. Und SPEMA ist gleichzusetzen mit dem Tor in ein erfolgreiches Berufsleben. Drittens stehen zwei untrennbar miteinander verknüpfte Namen für die SPEMA GmbH: Georg Wolter und Hanjo Sawitzki. „Es ist schon ein Glücksfall, dass die Konstellationen zwischen uns beiden so hervorragend stimmen“, sagen beide. Womit auch selbstverständlich ist, dass beide gleichberechtigte Geschäftsführer des Betriebes sind.
Doch damit nicht genug der Gemeinsamkeiten. Georg Wolter und Hanjo Sawitzki haben gemeinsame berufliche Wurzeln, denn sie erlernten – zu unterschiedlichen Zeiten – im Werk für Gleisbaumechanik den Beruf des Instandhaltungsmechanikers, beide gingen nach der Armeedienstzeit zum Studium und beide kamen als Ingenieur-Pädagogen zurück in die Ausbildungsstätte des WGM. „Es ist kaum vorstellbar, aber so rund 1000 Lehrlinge gingen von 1980 bzw. 1985 bis 1995 durch unsere Hände.“
1995 gab es dann eine folgenschwere Entscheidung. Die Bahn entschloss sich, ihre Ausbildungsstätte in Kirchmöser aufzugeben und nach und nach zu schließen. Georg Wolter: „Es musste etwas getan werden. So kam uns der Gedanke, ein Konzept für den Erhalt der Lehrausbildung hier an traditionsreicher Stelle zu erarbeiten. Die Überlegung war, eine GmbH mit zwei Geschäftsfeldern, der überbetrieblichen Ausbildung und der Produktion, zu gründen. Ende 1997 haben wir das Konzept der Bahn in Frankfurt am Main unterbreitet. Die Verantwortlichen dort waren vom Erfolg unserer Arbeit überzeugt und zugleich froh, auf so billige Art und Weise ihre ehemalige Ausbildungsstätte loszuwerden.“
Hanjo Sawitzki fährt fort: „Wir hatten etliche schlaflose Nächte. Denn für uns stand die Frage, entweder keine Arbeit oder mit der Familie in den Westen gehen. Aber wir sind hier groß geworden, darum wagten wir den Sprung ins kalte Wasser – ohne die Bahn. Ich muss aber ehrlich sagen, dass die Verantwortlichen der Bahn gerade in der ersten Zeit sehr kooperativ waren, denn wir konnten die rund 40 verbliebenen Lehrlinge noch bis zum Abschluss führen. Knapp drei Monate nach den Gesprächen hatten wir die GmbH gegründet. Die fünf Mitarbeiter erhielten von uns das Angebot zu bleiben, drei haben es letztlich genutzt.“
Beide Geschäftsführer loben die Unterstützung durch Stadt und Land. Schließlich gehörten sie mit zu den ersten Neuansiedlern im ziemlich heruntergekommenen Industriegebiet Nord. Übereinstimmende Meinung heute: „Es ist ein Segen für Kirchmöser, dass hier inzwischen so viel passiert ist und weiterhin passiert! Und wir dürfen nicht vergessen, dass der Ortsteil viele junge Leute braucht. Wir haben immer daran geglaubt, dass es hier aufwärts geht und Erfolge kommen.“
Hartnäckigkeit und auch eine Portion Glück, so die Geschäftsführer, brachten schrittweise in den zurückliegenden zehn Jahren die erhofften Erfolge. Erster Partner war das Elektrostahlwerk in Brandenburg. Die Ausbildung, die in Hennigsdorf erfolgte, entsprach nicht den Vorstellungen und Anforderungen und so übernahm die SPEMA die Aufgabe. Etwa 15 Auszubildende delegiert der Betrieb jährlich nach Kirchmöser. Auch aus dem E.ON-Kraftwerk kommen seit vielen Jahren Auszubildende. „Mit diesen sowie weiteren Partnern hatten wir die Chance, einige Jahre vorauszuplanen“, erinnert sich der 44-jährige Sawitzki. „Im Zuge dieser Entwicklung und einiger persönlicher Kontakte kamen dann auch die ersten Aufträge für die Produktion, zum Beispiel von der Metalltec GmbH und der Gleisbaumechanik. Das hat uns in die Lage versetzt, Ende 1998 Facharbeiter einzustellen.“
Dennoch war das Geschäftsrisiko gerade in den ersten Jahren enorm. Zum einen wollte man möglichst ohne Kredite auskommen, zum anderen mussten die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude erhalten und saniert werden. Sawitzki: „Wir hatten das Objekt noch nicht erworben, aber es regnete durch das Dach. Unten drin standen die teuren Kabinette. Also ließen wir auf eigenes Risiko das Dach reparieren. Wir hatten zuvor sogar erwogen, es uns leichter zu machen, hier alles aufzugeben und nach Brandenburg ins Stahlwerksgelände zu ziehen. Aber heute können wir sagen, dass jeder unserer Schritte richtig war.“
Inzwischen haben die Geschäftsführer rund eine Million Euro investiert. Es entstand eine neue Produktionshalle mit modernen CNC-Maschinen, statt anfangs vier sind nun 18 Facharbeiter und drei eigene Lehrlinge beschäftigt. Unter den 18 Facharbeitern sind übrigens 8, die bei der SPEMA ihre Lehre absolviert haben. Zu den Kunden, die dem Betrieb eine sichere Auftragslage garantieren, gehören heute das ZF-Werk, das Elektrostahlwerk, die Gleisbaumechanik und KARK Maschinenbau.
Im Jahr 1999 konnten die ersten Lehrlinge ihre Prüfungen ablegen. Seither kommen jährlich rund 25 neue Auszubildende vor allem aus Brandenburg und den Kreisen Potsdam-Mittelmark und Havelland hinzu. Mit größtem Stolz betont der 49-jährige Georg Wolter: „Unsere Durchfallquote liegt bei Null. Alle haben ihre Prüfungen seither bei uns bestanden.“
Beispielhaft weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus ist auch die Zusammenarbeit mit der Schule in Kirchmöser-West, die inzwischen „Berufsorientierte Oberschule“ heißt. Dazu Hanjo Sawitzki: „Die Schüler der 7. und 8. Klasse kommen einmal in der Woche für sechs Stunden in unser spezielles Kabinett und erhalten dort Grundkenntnisse in der Metallverarbeitung. Dazu gehören auch Betriebsbesichtigungen, z.B. im ZF und bei E.ON. Wir wollen erreichen, dass die Schüler frühzeitig u.a. über Wertefragen nachdenken, sehen, wie schwer es ist, Geld zu verdienen. Die erste Gruppe ist jetzt in der 9. Klasse und wenn die Schüler sich in diesem Jahr für eine Berufsausbildung bewerben, werden wir sehen, was sie hier gelernt haben.“
Höhepunkt für die Lehrlinge ist seit drei Jahren übrigens das jährliche Auslandspraktikum. Die besten 20 fahren für fünf Wochen nach Terni, einem Ort in Umbrien in Italien. Sie werden dort gemeinsam mit einheimischen Auszubildenden qualifiziert. Im Gegenzug kommen italienische Schüler zum Praktikum hierher.