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Dr.-Ing. habil. Manfred Bannasch tut alles, damit Kirchmöser eine gute Zukunft hat. Fotos: ger

Die große Weltkarte im Konferenzraum steckt voller kleiner roter Fähnchen – insbesondere in östlicher Richtung. Kirchmöser ist hier nicht mal zu erahnen. Trotzdem kennen Menschen in Russland, Japan, China, Kroatien, Türkei, Italien, Holland usw. den Ort. Denn überall gibt es Eisenbahnen, die stets auf dem neuesten Stand der Technik und speziell der Sicherheit sein müssen. Für sie sind Dr. Manfred Bannasch und seine rund 160 Mitarbeiter in Deutschland ganz wichtige Partner.


Die Rede ist von einem wichtigen Bereich der DB Systemtechnik der Deutschen Bahn AG mit seinen Standorten in München, Minden und Kirchmöser. Am heutigen Stellenwert Kirchmösers haben Dr. Bannasch, Dr. Schulz, ehemaliger Leiter des Weichenwerks, und Dirk Zielke großen Anteil – quasi als Männer der neuen Stunde.

„Ohne ihr großes Engagement wäre der Bahnstandort Kirchmöser ernsthaft in Gefahr gewesen. Dr. Bannasch und Dr. Schulz haben ein einzigartiges Netzwerk aufgebaut, das die Grundlagen für den heutigen Stand der Entwicklung schuf“, so Regionalmanger Dirk Zielke.


Bannasch ist beileibe kein bequemer Partner. Das haben nicht nur die Verantwortlichen in Stadt und Land feststellen müssen. „Ja, aber nur deshalb, weil ich immer wieder versuche, weit vorauszuschauen und vorauszuplanen“, sagt er ganz entschieden. Das gehört zu den wichtigsten Charaktereigenschaften des gebürtigen Boltenhageners, der in Wismar das Abitur ablegte und eine Lehre als Schiffsmaschinenbauer absolvierte. Es folgten ein Maschinenbaustudium und das Fernstudium der Kfz-Technik.


„Bei meiner ersten Promotion in den Jahren 1980 bis 1984 an der Technischen Universität Dresden kam ich auch mit Kirchmöser in Verbindung. Hier war damals die ZPEV, die Zentrale Prüf- und Entwicklungsstelle des Verkehrswesens der DDR. Ich habe mich mit der Lasertechnik im Zusammenhang mit der Veredelung von Kurbelwellen befasst. Diese Hochtechnologie in der wirtschaftlichen Breite war auch Thema meiner Habilitation im Forschungsbereich Physik der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Stolz bin ich übrigens noch heute darauf, dass ich hier mitwirken konnte, die Materialbearbeitung mittels Laser im produktiven Bereich testen zu können – zu damaliger Zeit eine Spitzentechnologie.“


Es kam das Jahr 1993, die Bahnreform stand bevor. 1994 wurde die Deutsche Bahn AG gegründet. Nach Jahren der Tätigkeit als Abteilungsleiter Forschung und Entwicklung im RAW Cottbus und Direktor für Prozessautomatisierung im Ingenieurbüro Fahrzeugausbesserung der Deutschen Reichsbahn in Berlin sowie nach der Wende in Hamburg, Paderborn und Saarbrücken führte der Weg nach Kirchmöser. „Ich hatte mich um die Stelle als Hauptabteilungsleiter Fahrzeug-Instandhaltung beworben. Am liebsten wäre ich aber sofort wieder abgehauen, auch wenn sich die Verantwortlichen bemüht hatten, mir die besten Seiten von Kirchmöser schmackhaft zu machen. Aber wie sah es aus – das ehemalige Panzerwerk, verfallene oder kaputte Gebäude, kaum intakte Straßen, Versorgungsleitungen – alles lag am Boden. Das Weichenwerk war verkauft, bei der Gleisbaumechanik stand es bevor. Ich hatte spontan gesagt: Die ganze Halbinsel ist in einem desolaten Zustand, und hier soll ich mein Zelt aufschlagen? Aber ebenso spontan kam mein Ehrgeiz durch, und mir war klar: Hier musst du arbeiten, hier muss etwas aufgebaut werden. Hier arbeiten Menschen, die Erfahrung haben und motiviert sind. Also blieb ich, knüpfte Kontakte zu allen Verantwortlichen, die ähnlich wie ich dachten. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch 1996 mit Herrn Hinze von der Zukunftsagentur Brandenburg auf dem Bahnhof Wannsee – über die Gleise hinweg. Ich hatte nur gesagt: ,Lass dich erst wieder sehen, wenn du Finanzhilfen abgeklärt hast, dann hat Kirchmöser eine echte neue Chance. Gehen die Bahnfirmen weg, wird der Ort sich nicht erholen können.‘ Einen Tag später kam es zu den notwendigen Gesprächen.“


Begonnen werden musste mit dem Abreißen der Zäune, im Gelände und auch in manchen Köpfen. Dazu wurde 1997 ein Unternehmerstammtisch gebildet. Das Ziel: Jeder an seinem Platz soll und muss etwas tun. „Meine Devise war: Wenn die Bahn für die Entwicklung des Standortes etwas tun kann, dann ist das wie eine Initialzündung. 1996 hatte sich der Bahnvorstand endgültig für den Erhalt und dem Ausbau des Standortes Kirchmöser ausgesprochen, es wurden auch Investitionen beschlossen. So haben wir für DB Systemtechnik und das Umweltzentrum 1997 mit der Planung begonnen, 1998 wurde der Grundstein gelegt.“ Daraus entstand das nicht mehr wegzudenkende virtuelle, interdisziplinäre Unternehmensnetzwerk. Übrigens, das erste im Land.


Womit wir wieder bei Charaktergrundzügen von Manfred Bannasch sind: dem Ehrgeiz, der Fähigkeit, langfristig vorauszuschauen, zu planen. „Es ist für mich immer wieder die größte Herausforderung, den Blick nach vorne zu richten, Dinge zu tun, die mir heute noch keiner so recht abkaufen will. Man muss Dinge sehen, die noch in der Diskussion sind, man muss schon heute Strategien für morgen entwickeln. Es ist wirklich keine Utopie, dass z.B. in absehbarer Zeit Hochgeschwindigkeitszüge von Paris bis Moskau fahren werden. Da sind noch viele Vorarbeiten zu leisten, an denen wir mitwirken können. Der Güterverkehr wächst momentan in zweistelligen Zahlen. Und die DB Railion bereitet sich auf einen Logistikgüterverkehr von Berlin nach Moskau vor.


Auch die langjährige Kooperation mit der Fachhochschule Brandenburg ist noch nicht ausgereizt. Unter gemeinsamer Verantwortung von Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium des Landes muss die Verbindung zur Praxis noch besser werden. Und in Bezug auf Kirchmöser: Ich kann mich heute leider nicht mehr so intensiv mit der Fertigstellung des Industriegebietes befassen, sondern muss schon das Jahr 2009 im Auge haben und mich um die richtige Vermarktung unserer Produkte im In- und Ausland kümmern. Das geht mir alles noch viel zu langsam voran, hier muß die Schrittfolge schneller werden.“

Die 80 Mitarbeiter der DB Systemtechnik in Kirchmöser kümmern sich gemeinsam mit weiteren 80 in anderen deutschen Standorten mit ihrem ingenieurtechnischen Know-how im weitesten Sinne um die Sicherheit auf den Bahnstrecken im Inland und weltweit.


Manfred Bannasch ist stolz darauf, dass er heute „Teil-Kirchmöseraner“ ist. Er bietet hier am Standort nicht nur 80 Mitarbeitern einen sicheren Job, er ist auch allgemein bekannt, ob beim Friseur, bei der Sparda-Bank, im Ärztehaus, im Blumenladen, in der Kneipe oder anderswo. Und stolz verweist er darauf, was sich hier in den letzten Jahren getan hat: neues Pflegeheim, Seegartenbrücke, neue Straße durch das Industriegebiet Nord, Baubeginn im Industriegebiet Süd. „Nun müssen wir – ich meine die Betriebe und die Stadt – überlegen, wie wir die Verkehrsverbindungen vom Bahnhof in die Industriegebiete optimieren, wie wir mehr Wohnraum schaffen, denn ich werde künftig noch mehr Mitarbeiter hier ansässig machen wollen. Man darf auch nicht vergessen, dass Kirchmöser zum Randbereich von Berlin gehört – das kann man weiter ausreizen.“

Dennoch bleibt er gemeinsam mit seiner Frau gerne der alten Heimat Spremberg treu, wo er in den 90er-Jahren ein Holzhaus gebaut hat und gerade jetzt mal wieder so richtig zuschlagen kann: beim Holzhacken.


 
DB Systemtechnik | 06.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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