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„Solche Gespräche mag er eigentlich gar nicht. Dabei ist er so ein wichtiger Mann für uns hier. Er war und ist derjenige, der immer wieder entscheidende Impulse für den Ausbau der Industriegebiete Nord und jetzt vor allem Süd gegeben hat. Er gehört zu unseren beständigsten Unternehmern hier in Kirchmöser.“ Worte von Regionalmanager Dirk Zielke, als es um die Vorbereitung für das nächste Gespräch in der BRAWO-Serie „Geschichten rund um den Kirchmöseraner Wasserturm“ ging. Die Rede war von Hermann Emminger. Dem Hermann Emminger, der 13 Jahre lang (1978–1990) Chef des Brandenburger Walzwerkes mit rund 2000 Beschäftigten war, der nach der Wende die Firma Brandenburger Baustahl mit gegründet hat und damals zuerst auf dem Gelände des E-Stahlwerks, dann in der alten Walzwerkhalle ansässig war.


„Man hat mich oft gefragt, wie ich das Verhältnis von DDR und dem Heute sehe. Bei allen Problemen: Die DDR ist tot und so soll es bleiben. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe eine Lehre gemacht, studiert und Erfahrungen gesammelt und sie im neuen System anwenden und ausbauen können. Ich habe die Gelegenheit zum Neubeginn nach der Wende beim Schopfe gepackt. Es konnte für mich nur einen Weg geben, den in die Selbstständigkeit.“

 



Größte Leidenschaft des 69-jährigen Hermann Emminger ist neben der Arbeit die Jagd. Das Originalgemälde aus dem 18. Jahrhundert hat er in seinem Büro ständig vor Augen. Fotos: ger

Heute ist der Diplom-Ingenieur Geschäftsführender Gesellschafter der drei BBV-Firmen: Baustahl- und Blechverarbeitungsgesellschaft mbH & Co KG, Feuerverzinkung Brandenburg GmbH & Co KG, Brandenburger Baustellen- Verkehrseinrichtungen und Elektro GmbH. Alle drei bilden ein in sich geschlossenes System. In der Baustahl- und Blechverarbeitungsgesellschaft werden Stahlschutzplanken hergestellt – allgemein („aber absolut falsch!“) Leitplanken (vor allem für Autobahnen) genannt. In der Feuerverzinkung werden die Planken, wie es der Name sagt, verzinkt. Außerdem erfolgen von hier aus Verkauf und Montage. Die dritte Firma schließlich ist mit Schlossern, Elektrikern und weiteren Handwerkern der Servicebetrieb für die ersten zwei.

„Zwischen den Trümmern hier haben wir etwas aufgebaut, das sich sehen lassen kann!“ Kurz und knapp, ohne Schnörkel, sagt er das – wie es so seine Art ist. Was dahinter steckt, kann man nur erahnen, denn rund um die ehemaligen Hallen der Panzerreparaturwerkstatt der Sowjetarmee und des ehemaligen Walzwerkes Kirchmöser gähnen tiefe Erdlöcher, türmen sich Sandberge auf, werden Straßen und Wege neu gebaut, diverse Versorgungsleitungen verlegt. Dennoch zeugt die von Weitem sichtbare blaue Verkleidung an den Hallen schon vom erfolgreichen Neubeginn auf diesem Teil des Industriegebietes Süd.


„Wir haben hier einen guten Weg beschritten und nicht zuletzt der Stadt- und Landesspitze bewiesen, dass man auch aus nicht einfachen Hinterlassenschaften etwas machen kann.


Die vorherigen Betriebe waren im Besitz und unter Geschäftsführung von drei Hamburgern, die aber „nicht sauber gearbeitet haben“, wie sich Emminger erinnert. „Es musste Insolvenz angemeldet werden, und die Bank legte sehr großen Wert darauf, dass ich Geschäftsführer und später Gesellschafter wurde. 1996 habe ich das komplette Gelände – 58000 Quadratmeter Grund und Boden mit Halle und Resten des insolventen Betriebes erworben. 65 Arbeitskräfte wurden für den Neuanfang eingestellt. In habe in den Jahren hart gekämpft, wir mussten uns durchbeißen, einen Strukturwandel in Angriff nehmen. Das wäre ohne die Bereitstellung von Fördermitteln seitens des Landes und der Stadt nicht möglich gewesen. Nur so konnten wir wesentlich mehr Arbeitskräfte einstellen, als es in den Förderanträgen vorgesehen war. Die Unterstützung durch die Oberbürgermeisterin Dr. Tiemann muss ich hier besonders hervorheben. Heute sind in den drei Firmen 90 Leute beschäftigt. Leute, auf die ich stolz bin, weil sie mit viel Fleiß und Engagement in drei Schichten arbeiten. Wo kommt es schon vor, dass drei Generationen einer Familie in einer Firma arbeiten – bei mir sind Großvater, Vater und Sohn Kuhs beschäftigt. Und viele sind ehemalige Stahl- und Walzwerker. Ich habe ihnen hier eine Chance gegeben. Meine Devise: Hast du Eigentum, dann hast du auch Verantwortung, für dich und andere. Das ist einer der Wesenszüge als Mittelständler.“


Durchbeißen, kämpfen – das sind Grundeigenschaften, die den Firmenchef seit frühester Jugend auszeichnen. Er war nämlich aktiver Leichtathlet (bei Stahl Riesa), holte sich mehrfach den DDR-Meistertitel im Hammerwurf. Und er stand sogar im Vorauswahlkader für die Olympiade in Rom 1960, doch erhebliche Trainingsverletzungen brachten zuvor das Sport-Aus.


Zur Gegenwart. Der Erfolg der Arbeit Emmingers und seiner Mitarbeiter, wie Lutz Kotlowski, ist gut sichtbar. Anhand von Zahlen. Rund 4 Millionen Euro wurden seit 2004 in den Auf- und Ausbau der Firmen investiert. Betrug der Umsatz im Jahr 2000 rund 5 Millionen Euro, so werden es in diesem Jahr 23 bis 24 Millionen Euro sein. Das ständige Ringen um die Fertigung neuer, hochwertigerer Produkte war und ist eine der Grundlagen für den erzielten Erfolg. Ein weiterer die geringe Fluktuation.


Der in Duisburg geborene und im Rahmen einer Evakuierung wegen der großen Bombenschäden mit der Familie nach Brandenburg gekommene Hermann Emminger ist vor drei Tagen 69 Jahre alt geworden. Er könnte also schon längst den ganzen Tag zu Hause bei seiner Frau verbringen. Oder in seinen Erinnerungen kramen. Zum Beispiel an die Zeit, als er im Stahl- und Walzwerk lernte und immer wieder mal in den „Roland“ auf dem Neustädtischen Markt mit seinen Kumpels zum Tanzen ging. „Da war Manne Krug, der große Schauspieler, immer dabei, der unbedingt auf die Bühne wollte, während wir unten tanzten. Ich erinnere mich, dass das seinem Vater, der zu der Zeit Stahlwerkschef war, gar nicht gefallen hat. Sein Sohn sollte besser auf der Ofenbühne stehen.“ Oder Hermann Emminger könnte seinem großen Hobby, der Jagd, nachgehen. „Dafür habe ich auch so Zeit. Die nehme ich mir seit 40 Jahren. Man ist Jäger oder nicht. Die Jagd, das ist eine Passion. Die Verbindung zur Natur war bei mir schon immer da. Vielleicht wurde sie auch dadurch gefördert, dass mein Schwager Landwirtschaftsminister war. Ein Jäger versteht sich als aktiver Naturschützer und Heger des Wildes und der Natur, ist natürlich aber auch stolz auf seine Trophäen. Zu meinen schönsten Erlebnissen gehören nach langem Genehmigungsverfahren in Bonn der Abschuss eines Bären in der Slowakei oder die Elchjagd in Schweden.“


Und wie ist das nun mit dem Rentnerdasein? „Ich fühle mich auf der Höhe meiner Schaffenskraft, bin vital, habe wirklich noch eine ungebremste Kraft und Energie. Und ich habe Spaß und Lust an der Arbeit. Das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben. Schließlich haben wir noch viel vor. Wir müssen qualitativ einen Sprung nach vorne machen, müssen mit Teilen der Produktion raus aus der bisherigen Branche. Technisch sind wir schon jetzt in der Lage, Teile für die Automobilindustrie, für Kraftwerksanlagen sowie für die Lagertechnik, z.B. Hochregale, zu produzieren.“

 

 
BBV | 06.02.12 | Druckversion
 

     
 
 
 

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